Ich mache gern Werbung dafür, hier zu bleiben!

Name: Ole Schmalfuß

Geburtsjahr, -ort: 2002 | Forst

Berufliches Zuhause: Projektmanager bei pool production

Hobbies: Jugendchef bei der Domowina-Jugend Sielow

Status: Hiergebliebener

Ole Schmalfuß sorgt in seinem Job dafür, dass namhafte Events wie das Osteuropäische FilmFestival oder die Nacht der kreativen Köpfe jährlich ein Publikumserfolg werden und frischen Wind durch die Boomtown Cottbus wehen lassen. In seiner Freizeit engagiert sich der 22-jährige in traditionellen Gefilden. Seine familiären Wurzeln liegen im Cottbuser Stadtteil Sielow, der von einer starken sorbisch/wendischen Gemeinschaft geprägt ist. Was als Chef der lokal organisierten Domowina-Jugend seine Aufgaben sind, welche Bedeutung die Bräuche für ihn haben und warum er sich als Sorbe versteht, erfahren wir im Gespräch mit Ole. Für alle neuen Cottbuser*innen hält er Tipps für potenzielle Cottbuser Lieblingsorte parat.

Wie kann man sich deine Kindheit vorstellen – bist du quasi in sorbischer Tracht auf die Welt gekommen?

Meine Familie hat zwar teilweise sorbische Wurzeln, allerdings hatte sich die Tradition über viele Jahrzehnte ausgeschlichen. Die sorbische Kita war für mich die einzige institutionelle Erfahrung. Bis heute spreche ich leider auch kein sorbisch. Die ersten Schuljahre lebte ich in Potsdam. Der Bezug zur Sielower Heimat blieb immer stark, so dass wir nahezu jedes Wochenende zu Hause waren und ich im Alter von 10 Jahren wieder zurückkehrte. In Sielow bin ich dann durch die erlebbaren Bräuche und Feste und den Freundeskreis zur Domowina-Jugend gekommen.

Wolltest du niemals weg aus Cottbus?

Ehrlich gesagt nein, ich mag die Vorzüge der Stadt sehr. Man kennt sich, kann in der Stadt etwas bewegen, wenn man nur will. So begann ich eine Lehre zum Veranstaltungskaufmann bei meinem jetzigen Arbeitgeber und besuchte die Berufsschule in Potsdam. Ich mache gern Werbung dafür, hier zu bleiben. Viele gehen weg, weil es ihnen an Optionen fehlt. Ich finde, Cottbus hat schon viel zu bieten, wenn auch mit Luft nach oben, gerade in Sachen Nachtleben. Für junge Menschen gibt es mittlerweile kein breites Angebot mehr, das ist aber wichtig um dem demografischen Wandel entgegen zu wirken. 2023 bin ich nach „Mitte“ gezogen, um mal raus zu kommen. Meine Rückkehr nach Sielow ist aber nicht ausgeschlossen. Mit etwas Abstand lernt man das Beschauliche wieder mehr zu schätzen.

Was bedeuten dir sorbisch/wendische Traditionen und Bräuche?

Schon immer fühlte ich eine große Nähe zu den Traditionen. Ich identifiziere mich als Sorbe vor allem über die Veranstaltungen, die mich auch aus beruflicher Perspektive reizen. Als Jugendchef bei der Domowina-Jugend Sielow helfe ich jedes Jahr, die Traditionsveranstaltungen zu organisieren. Wir unterstützen aber auch Baumfällarbeiten fürs Osterfeuer, die Vorbereitung von Hochzeiten usw. Verteilt auf die Woche können es schon acht Stunden Ehrenamtstätigkeit sein. Besonders die Highlights im Frühjahr (Fastnacht, Osterfeuer, Maibaum) und Herbst (Hahnrupfen) sind aufwändig.

In der Domowina-Jugend kann man übrigens nur so lange sein, wie man weder ein Haus gebaut, geheiratet, oder ein Kind bekommen hat. Ab 30 ist man auch raus. Die Fluktuation ist recht hoch, zum Glück kommen aber gerade in Sielow viele junge Menschen nach.

Ist Zapust, also die wendische Fastnacht, dein Jahreshighlight?

Viele, die mittlerweile außerhalb studieren oder wohnen, kommen extra dafür in die Heimat. Man könnte schon sagen, dass dies die wichtigste Festivität im Jahr ist. Wir sind mit ca. 100 Mitgliedern im Verein und rund 55 Paaren zur Fastnacht dabei. Andere Dörfer liegen da im Schnitt so bei 20-30 Paaren. Die Sielower Gemeinde ist schon wirklich stark vertreten.

Gibt es einen kulturellen Aufschwung durch die sorbische Jugend?

Wir, die Jugend im Ort, halten die Traditionen aufrecht. Das ist einfach unsere Aufgabe. Die örtlichen Vereine, wie Freiwillige Feuerwehr, Schlepperfreunde usw. unterstützen uns dabei. Ohne dem wäre es nicht zu stemmen. Ansonsten gibt es ein gutes Miteinander aller Generationen. Reden hilft in der Regel immer, denn das Ziel ist ja für alle gleich – die sorbische Kultur zu schützen und zu leben.

Die Herausforderung bei uns in der Niederlausitz ist vor allem die Sprachbarriere und die fehlenden kulturellen Wurzeln im Alltag. Das ist in der Oberlausitz eher keine Herausforderung, denn dort ist die sorbische Identität viel mehr sichtbar.

Sind Zuschauer grundsätzlich erwünscht, um eure sorbischen Bräuche und Feste kennenzulernen?

Nach Sielow kommt schon immer viel Publikum aus der Stadt. Jeder ist herzlich eingeladen, dabei zu sein – auf einen Schnaps und einen Schwatz. Wir könnten aus meiner Sicht viel mehr damit angeben, was wir hier Tolles auf die Beine stellen, als das bisher der Fall ist.

Zu guter Letzt: Welchen deiner Lieblingsorte sollten neue Cottbuser*innen unbedingt kennenlernen?

Ich genieße es durch Sielow, meine Heimat, zu laufen und bin gern im Spreewald unterwegs. Ansonsten bin ich oft im Scandale am Bunten Bahnhof – schade nur, dass das Prima Wetter dem Bahnwerk weichen musste.

Wir bedanken uns für das Gespräch. Das Interview führte Solveig Schaal.

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Triff Ole und zahlreiche Sorben zur 167. Fastnacht in Sielow vom 23. – 24. Februar 2024!

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